Argumente gegen die Einzelhaltung von Kaninchen


Autorin: Kathi









Egal, ob man es wissenschaftlich, gesetzlich oder aus der Sicht eines Kaninchenfans sieht: Einzelhaltung ist und bleibt Tierquälerei!

Leider ist aber diese Haltung immer noch stark verbreitet. Dies lässt sich, genauso wie die Käfighaltung auf die Nachkriegszeit zurückführen. Hier wurden die Tiere als Fleischlieferant für die hungrigen Menschen gehalten. Doch dies ist nun vorbei und spätestens jetzt sollte jedes Kaninchen mindestens einen Partner haben! In vielen Fällen ist die Angst vor einer missglückten Vergesellschaftung größer als der Wunsch das Singledasein seines Kaninchens zu beenden. Doch hier kann man erfahrene Halter, Tierschutzorganisationen oder Tierheime um Hilfe bitten. Auch wir vom MSO können hilfreich zur Seite stehen. 

In freier Wildbahn leben Kaninchen in kleinen Gruppen (bis zu 10 Tieren) oder in großen Kolonien (bis zu 100 Tieren). Sie haben ein ausgeprägtes Sozialverhalten und eine strenge Hierarchie. Kaninchen in Einzelhaltung leiden genauso wie Menschen im Gefängnis unter der Isolation, sie entwickeln Verhaltensstörungen, werden deprimiert oder aggressiv. Weder ein Mensch noch Meerschweinchen oder andere Tiere sind ein Ersatz für einen Artgenossen. Sie können sich nicht mit dem Kaninchen unterhalten, mit ihm spielen, kuscheln oder streiten. Also alles, was zum Sozialverhalten der Tiere gehört. Auch wenn eine Vergesellschaftung nicht immer einfach ist, es lohnt sich! 

Häufige Antworten von Haltern eines Kaninchens...

Mein Kaninchen fühlt sich allein viel wohler.
Kaninchen sind sehr anpassungsfähig. Wie unglücklich das Kaninchen war, merkt man erst nach der erfolgreichen Zusammenführung, wenn man sieht, wie das Tier durch den Partner aufblüht. Rein wissenschaftlich betrachtet kann das Kaninchen nur ein Gruppentier sein. In freier Wildbahn zeigen sie ein ausgeprägtes Sozialverhalten, sie dösen nebeneinander, putzen sich gegenseitig, spielen und streiten. Selbst ein allein lebendes Kaninchen zeigt, dass es eigentlich ein Gruppentier ist. Wird Gefahr gewittert klopft es mit den Hinterbeinen auf den Boden um die vermeintlichen Gruppenmitglieder vor der Gefahr zu warnen. Dieses Geräusch ist sowohl oberirdisch als auch in den Höhlen der Wildkaninchen weit unter der Erde zu hören. Im Gesetzbuch steht, man muss Tiere artgerecht halten: Wer ein Tier hält (...) muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen (...) Tierhaltung, zweiter Abschnitt §2. Die Art der Kaninchen entspricht einer Gruppenhaltung (oder mindestens einer Paarhaltung). 

Wildkaninchen leben in Kolonien, aber ein Hauskaninchen ist doch domestiziert.
Das Kaninchen, was bei uns zu Hause sitzt, hat die gleichen sozialen Bedürfnisse wie seine wilden Verwandten. Vergleicht man uns europäischen Stadtmenschen mit einem australischen Naturvolk, so fehlen uns zwar die Instinkte für die Gefahren in der freien Natur und doch haben wir alle das gleiche soziale Bedürfnis nach mindestens einem Mitmenschen, der uns versteht. Grundsätzlich möchte ich nicht Kaninchen und Menschen vergleichen, aber um es sich besser vorstellen zu können ist ein kleiner Vergleich mit beiden Gattungen hilfreich, da wir alle auch soziale Gruppentiere sind. 

Ich beschäftige mich viel mit meinem Kaninchen, es ist fast nie allein.
Du kannst ihn streicheln, aber ihn nicht lecken und putzen.
Du kannst ihm warmes Stroh in den Käfig legen, aber dich nicht an ihn kuscheln, wenn ihm kalt wird.
Du kannst ihn füttern, dich aber nicht mit ihm um ein Kohlrabiblatt streiten.
Du kannst mit ihm reden, doch nicht in seiner Sprache.
Das alles wird er sehr vermissen, auch wenn du noch so ein toller Halter bist.

Mein Kaninchen ist nicht allein, es hat ein Meerschweinchen als Partner.
Bei dieser Haltung hat man nicht ein einsames Tier zu Hause sitzen, sondern zwei. Auch Meerschweinchen sind sehr soziale Tiere und brauchen einen Artgenossen. Bei dieser Haltung verliert das Meerschweinchen seine Sprache und kann vom Kaninchen schwer verletzt werden. Auch das Kaninchen wird nie eine Erwiderung auf die Fellpflege bekommen. Mehr lesen...

Ich habe nicht genug Platz für zwei Kaninchen.
Mangelnder Platz ist ebenfalls eine Ursache für viel Leid, das vom Halter unwissentlich den Kaninchen zugefügt wird. Auch wenn man mit dem "großen" Käfig aus dem Zoofachgeschäft meint, etwas Gutes zu tun: Er reicht nicht. Platzmangel ist keinen Ausrede, denn schon allein das erste Tier braucht mehr Platz als die 120 cm, die viele Käfige haben. Überträgt man diese Fläche auf den Menschen, hätte dieser zum Leben gerade einmal die Ladefläche eines Kleintransportes. Dies ist keine schöne Vorstellung. Bei einer kleineren Wohnung bietet sich auch ein mehrstöckiges Gehege oder freie Wohnungshaltung an. Mehr lesen...

Ich möchte, dass mein Kaninchen zahm bleibt.
Eine verbreitete Angst ist, dass durch einen Artgenossen das Kaninchen nicht mehr so sehr auf den Menschen bezogen ist. Dies widerspricht aber den Erfahrungen etlicher Halter. Das Kaninchen hat nun eine andere Beschäftigung, wenn du einmal nicht da bist. Kommst du dann wieder, hoppeln zwei Kaninchen auf dich zu und zwar nicht, weil sie keine andere Abwechslung in ihrem tristen Leben haben, sondern aus purer Lebensfreude und Vertrauen zum Menschen. Natürlich ist man nicht mehr das wichtigste Wesen auf der Welt für das einzelne Kaninchen, aber wäre es nicht völliger Egoismus, dies von dem Tier zu verlangen? 

Zwei Kaninchen bedeuten mehr Arbeit und sind teurer.
Das stimmt nur teilweise. Es bedeutet minimal mehr Streu, Futter und Heu. Dafür muss man sich weniger um das Tier kümmern, da es jetzt Gesellschaft hat. Natürlich kann es beim Tierarzt teuer werden. Doch diese Überlegung hat man sich ja hoffentlich schon bei der Anschaffung des ersten Tieres gemacht. Außerdem resultieren viele Krankheiten und Verhaltensstörungen aus der Einzelhaltung. Ein zweites Kaninchen kostet nur ein wenig mehr Geld, ist aber eine gute Investition in das Glück und die Gesundheit des vorhandenen Kaninchens. 

Mein Kaninchen ist zu alt, um sich an einen Artgenossen zu gewöhnen.
Auch mit schon auftretenden Verhaltensstörungen lassen sich Kaninchen zu 99% der Fälle trotzdem vergesellschaften, egal, in welchem Alter. Selbst Kaninchen mit acht Jahren, die seit der Mutter kein anderes Kaninchen mehr gesehen haben, können noch so richtig glücklich werden. (Immerhin können Kaninchen bis zu 15 Jahre alt werden.) Voraussetzung hierfür ist natürlich eine richtig durchgeführte Vergesellschaftung.

Mein Kaninchen verträgt sich nicht mit anderen.
Dieses Argument hört man oft. Meist ist dies die Schlussfolgerung aus einer missglückten Zusammenführung, die oft aus Unwissenheit falsch durchgeführt wurde. Kaninchen haben eine hierarchische Rangordnung, die sie erst klären müssen, bevor gekuschelt werden kann. Deswegen gibt es wichtige Regeln für die Zusammenführung von Kaninchen. Werden sie befolgt, funktioniert die neue Partnerschaft in über 99% der Fälle. Mehr lesen...

Was habe ich davon?
Nun, zum Einen zwei glückliche Haustiere, statt einem vereinsamten Kaninchen. Diese Freude kann man jedoch erst nach einer Vergesellschaftung sehen. Es ist eine wahre Freude, Kaninchen beim gegenseitigen putzen, kuscheln und vor allem beim spielen, toben und necken zu beobachten. Kaninchen sind soziale Wesen und viel interessanter wenn sie ihr natürliches Verhalten ausleben können. 



Erfahrungsbericht von Inga
Erfahrungsbericht von Nadja
Erfahrungsbericht von Cilli
"Schnuffel" über die Einzelhaltung





Gerne unterstützt dich das kompetente Möhren sind orange-Team
bei Fragen und Problemen rund um die Kaninchenhaltung.
Erreichbar unter kontakt@moehren-sind-orange.de




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