Fellwechsel beim Kaninchen


Autorin: Kathi







Wildkaninchen wechseln zweimal im Jahr ihr Fell von Sommer- auf Winterfell und umgekehrt. So schützen sie sich vor der Kälte im Winter und sind somit optimal angepasst. Unsere Kaninchen in der Außenhaltung haben auch einen Fellwechsel, ebenso wie ihre wilden Artgenossen. Starke Wetterschwankungen können ebenfalls zu einem Fellwechsel führen. Kaninchen, die drinnen wohnen haben meistens langsam über das ganze Jahr verteilt einen Fellwechsel, da hier die Temperaturunterschiede nicht so groß sind. Auf dem oberen Foto sieht man ganz klar die Linie zwischen dickem Winter- und leichtem Sommerfell. Auf dem unteren Foto sieht man das typische struppige Fell beim Wechsel. In beiden Fällen ist der Fellwechsel sehr stark ausgebildet. Kahle Stellen sollten nicht auftreten. Wenn dies der Fall ist, kann z. B. ein Pilz der Grund sein, sodass schnellstmöglich ein Tierarzt aufgesucht werden sollte.

In der Regel kommen Kaninchen mit dem Fellwechsel sehr gut allein zurecht, jedoch gibt es einige Sachen, auf die man achten muss. Kurzhaarige Kaninchen haben in der Regel weniger Probleme als Löwenköpfchen, Langhaar-Kaninchen, Angoramixe oder Teddys. Diese sollten das ganze Jahr über gebürstet werden. Eventuell hilft auch ein Kurzhaarschnitt im Sommer.

Köttelketten
Da Kaninchen sich und andere Kaninchen ständig putzen, nehmen sie während des Fellwechsels deutlich mehr Haare auf. Diese gelangen in den Magen-Darm-Trakt, sind sehr schwer verdaulich und können dort sogenannte Köttelketten verursachen. Die Köttel hängen dann durch die zusätzlichen Haare wie eine Kette zusammen (siehe Foto). Wenn sich das Problem verstärkt, hängen die Köttel an ganzen Haarsträngen, das Kaninchen hat nun Probleme beim Ausscheiden und dies kann zu Verstopfungen führen. Wird ihm in dieser Situation nicht geholfen, kann es schlimmstenfalls zu einer lebensgefährlichen Aufgasung kommen. Sehr kleine Köttel, Apathie und ein harter Bauch sind deutliche Anzeichen, in diesem Fall muss schnellstmöglich ein Tierarzt aufgesucht werden. Ein Röntgenbild gibt Aufschluss über das ganze Ausmaß der Verstopfung und/oder Aufgasungen. Köttelketten zeigen, dass Kaninchen die aufgenommenen Haare ausscheiden, dahingegen zeigen sehr kleine schwarze Köttel, dass der Darmausgang versperrt ist. Ohne Hilfe kann es zu einem Darmverschluss kommen, was tödlich enden kann.



Maßnahmen

Bürsten
Nicht jedes Kaninchen mag gebürstet werden, dies muss man ausprobieren. Wenn sich das Kaninchen dafür nicht begeistern kann, aber prinzipiell gerne gestreichelt wird, kann man ihm auch helfen, indem man mit der fechten Hand über das Fell streichelt. Viele Haare werden dadurch bereits heraus gestreichelt. Je mehr lose Haare herausgekämmt werden, desto weniger können vom Kaninchen aufgenommen werden. Empfehlenswert sind weiche Bürsten oder welche, bei denen die Spitzen mit Plastik- oder Gumminoppen abgerundet sind. Auf spitze Kämme sollte verzichtet werden, damit die empfindliche Kaninchenhaut nicht beschädigt wird. Dem Kaninchen sollte beim Bürsten aber niemals Haare heraus gezupft oder gerissen werden.

Bewegung und gesundes Futter
Kaninchen, die viel Platz zur Verfügung haben, leiden wesentlich weniger an Magen- oder Darmproblemen. Während einer Verstopfung ist Bewegung sogar lebenswichtig, da es zu einer natürlichen Darmbewegung kommt. Rohfaserreiches Futter wie Gemüse, Wiese, Heu, Pflanzen, Wurzeln, Zweige etc. sorgen für einen gesunden Nahrungstransport. Die zusätzlichen Haare werden somit schneller ausgeschieden. Kaninchen, die hauptsächlich Trockenfutter bekommen, haben einen trägeren Darm und damit ein erhöhtes Risiko.

Zusätze
Zusätze, wie Maltpaste oder Bezopet sollten nur nach Absprache mit einem Tierarzt verabreicht werden. Diese Ergänzungen können auch Nebenwirkungen, wie Durchfall haben. Außerdem ist die Wirkung z. B. bei Bezopet nicht nachgewiesen.

Natürliche Öle
Leinsamen, Sonnenblumenkerne und Fenchelsamen haben natürliche Fette und Enzyme, die dem Kaninchen bei der Verdauung helfen und keine Nebenwirkungen haben, vorausgesetzt, man füttert nicht mehr als 1 Teelöffel pro Kilogramm Kaninchen wöchentlich.

Paraffin und andere Öle
Täglich 2 Tropfen Öl pro Kilogramm Kaninchen wirken vorbeugend gegen Verdauungsprobleme beim Fellwechsel, da der Nahrungsbrei inklusive Haare besser flutscht. Es empfiehlt sich, die Tropfen auf Gemüse (z.B. auf ein Salatblatt) zu träufeln. Die Dosis kann, nach Absprache mit einem Tierarzt, bei einer akuten Verstopfung oder Köttelketten erhöht werden. Dafür sollte ausschließlich hochwertiges Öl, wie Walnussöl, Rapsöl, Sesamöl, Olivenöl oder Sonnenblumenöl genutzt werden. Dies ist auch eine gute Sofortmaßnahme, wenn der Tierarzt nicht erreichbar ist. In diesem Fall kann dem Kaninchen 1ml alle 3-4 Stunden gegeben werden. Ein Tierarzt sollte im Zweifelsfall jedoch immer aufgesucht werden. Diese Öle sollten nie dauerhaft verabreicht werden, sondern immer nur bei akuten Problemen. Auf Rizinus- und Paraffinöl sollte verzichtet werden, da sie zu Darm- und Organproblemen führen können.

Kiwi und Ananas
Viele Kaninchenhalter geben ihren Kaninchen während des Fellwechsels Ananas und Kiwi. Die dort enthaltenen Enzyme wie Bromelin und Actinidin sollen bei der Aufspaltung des Haareiweißes helfen. Jedoch werden diese Enzyme bereits mit der Magensäure zerstört. Kiwi und Ananas können als Leckerli trotzdem verfüttert werden (ohne Schale).







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