Qualzuchten


Autorin: Inga







Die Zucht von Tieren allgemein ist seit etlichen Jahren populär und stellt im Sinne der Tiere keine gute Vorgehensweise dar. Ein noch größeres Problem als die Zucht allgemein sind die sogenannten Qualzuchten. Qualzuchten sind bestimmte gezüchtete Rassen die bestimmten Merkmale aufweisen unter welchen die Tiere leiden. Bei Kaninchen gibt es relativ viele Qualzuchten, die häufigsten und ihre Lebensbedingungen werden hier aufgelistet.

Angora-Kaninchen
Angora-Kaninchen sind eine sehr häufige Qualzucht und sie leiden stark an ihrem unnatürlich langen Fell und den damit verbundenen Einschränkungen und Nachteilen. Sie sind in England schon sehr lange verbreitet, 1775 kamen die ersten Angora-Kaninchen nach Deutschland, ursprünglich stammen sie aus Belgien. Angora-Kaninchen sind allgemein aufgrund ihres langen Fells sehr Hitzestau gefährdet und ein regelmäßiges Scheren der Tiere ist unumgänglich. Sie müssen – je nach Felllänge - 4-5 Mal im Jahr oder sogar noch öfter geschoren werden, was ihnen sehr großen Stress bereitet. Kaninchen lassen sich bekanntlich grundsätzlich nicht gern hochnehmen, hinzu kommt das Scheren. Beim Scheren schneidet man leider sehr schnell einmal in die sehr dünne Kaninchenhaut hinein. Und trotz Scheren haben Angora-Kaninchen zeitweise sehr langes Fell unter dem sie leiden. Das Fell hängt beispielsweise oft permanent in den Augen, was ständige Reizungen der Hornhaut zur Folge hat. Außerdem entstehen bei Angora-Kaninchen sehr schnell sogenannte Bezoare (Haarballen im Magen). Die Kaninchen schlucken bei jedem Putzen große Mengen an Haaren, da können auch Ananas oder Kiwi keine Abhilfe mehr schaffen. Durch die ständige Verdauung von großen Mengen an Haaren sind auch Verstopfungen keine Seltenheit. Ein weiteres sehr großes Problem ist, dass das Fell schnell verfilzt. Verfilzungen in der Analregion führen oft zu Verstopfungen, da Urin und Kot in den Verfilzungen kleben bleiben. Dadurch ist auch die sehr wichtige Aufnahme des Bilddarmkots nur noch eingeschränkt oder gar nicht möglich. Und auch an anderen Körperstellen verursachen Verfilzungen viel Leid, denn die Verfilzungen verursachen ein ständiges Ziehen am Fell, insbesondere beim Laufen. Beim Herausschneiden von Verfilzungen schneidet man oft aus Versehen etwas Haut mit ab, da Kaninchenhaut, wie bereits erwähnt, sehr dünn ist und oft mit in den Verfilzungen hängt. Es besteht auch ein erhöhtes Krankheitsrisiko, denn verfilzte und kotverschmierte Haare ziehen z.B. Fliegenmaden an. Ein regelmäßiges Kämmen ist bei dieser Rasse ebenfalls notwendig, das Ziepen verursacht den Tieren natürlich starke Schmerzen und Angora-Kaninchen bekommen also sehr schnell Angst vor ihren Haltern, weil sie wissen, dass diese ihnen durch das Kämmen oft wehtun. Langhaarkaninchen wie Angoras hätten ihn freier Natur absolut keine Überlebenschance.



Widderkaninchen
Widderkaninchen sind aufgrund ihrer lustigen Schlappohren inzwischen sehr stark verbreitet, es weiß jedoch kaum jemand, dass auch Widderkaninchen Qualzuchten sind. Die Ohrenstellung ist absolut unnatürlich und bringt viele Einschränkungen mit sich. Widderkaninchen haben ein eingeschränktes Blickfeld sowie schlechtere Kommunikationsmöglichkeiten mit anderen Kaninchen, da sie ihre Ohren nicht bewegen können. Widder hören viel schlechter als Kaninchen mit Stehohren. Der Grund dafür ist zum einen, dass die Ohren von Widderkaninchen nicht die Funktion eines Gehörtrichters haben, der die Akustik direkt ins innere Ohr leitet. Zum anderen sind die Gehörgänge insgesamt verengt. Des weiteren können Stehohrkaninchen ihre Ohren unabhängig voneinander drehen, was ihnen einen Hörwinkel von 360° ermöglicht. Widderkaninchen können auch dies nicht. Viele Widderkaninchen sind auch komplett taub. Die Schlappohren schleifen beim Laufen ständig auf dem Boden herum, was manchmal nach einiger Zeit zu Verletzungen an den Ohrspitzen führen kann. Außerdem hängen die Ohren in der Einstreu sowie im Futter und Wasser und nasses Fell ist ein günstiger Faktor für z.B. Fliegenmaden. Somit besteht also ein erhöhtes Krankheitsrisiko bei Widderkaninchen. Die Ohren sind bei Widderkaninchen so gut wie gar nicht belüftet, was zu viel Wärme unter den Ohren führen kann. Dies ist vor allem in der warmen Jahreszeit ein Problem, da Kaninchen bekanntlich nicht schwitzen können und daher z.T. Wärme über die Ohren abgeben, was Widderkaninchen also ebenfalls nicht möglich ist. Oft sind zusätzliche Pflegemaßnahmen durch den Halter wie z.B. Spülen gegen Verstopfungen in den Ohren erforderlich.



Zwergkaninchen
Auch kleine Kaninchenrassen, insbesondere solche mit einem flachen Gesicht haben rassebedingte Probleme. Sie haben oft Zahnfehlstellungen durch den extrem kurzen Kiefer. Die Zähne müssen also regelmäßig von einem Tierarzt geschliffen werden, was für die Kaninchen Stress darstellt. Auch Verengungen des Tränenkanals oder Atembeschwerden sind keine Seltenheit. Allgemein gelten auch Kaninchen, die ausgewachsen weniger als 1kg wiegen, als Qualzuchten.



Es ist leider sehr schwierig und oft sogar unmöglich, Qualzuchten komplett von ihren körperlichen Beschwerden zu befreien und die Haltung und Pflege von solchen Tieren ist insgesamt sehr aufwendig und man sollte solch ein Tier nur aufnehmen, wenn man genug Zeit und Wissen hat, was erforderlich ist um solche Kaninchen zu versorgen. Die Zucht mit Kaninchen ist allgemein egoistisch, da bereits viele heimatlose Kaninchen auf ein neues Zuhause warten. Die Zucht oder Vermehrung von den oben genannten Rassen jedoch, ist absolut unverantwortlich, da neues Leid verursacht wird.



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